comdirect AG – 4M Aktienanalyse


Niedrige Zinsen, turbulentes Börsenumfeld, zunehmender Wettbewerbsdruck. Die comdirect AG muss aktuell einer Vielzahl von Einflussfaktoren trotzen, die negativ auf die Bilanzkennzahlen auswirken. Doch der Direktbankenmarkt in Deutschland wächst kräftig und comdirect ist in diesem Segment hervorragend positioniert. Von der Gewichtung her ist die comdirect-Aktie eine der Top-Positionen des Mbkaya Deep Value Portfolios.

Daten & Fakten:

comdirect AG
ISIN: DE0005428007
Hauptsitz: Quickborn

Kurzbeschreibung:

Die comdirect bank AG ist eine der ersten Direktbanken in Deutschland und zählt zu den Marktführern im Bereich Online-Wertpapier. Die Gesellschaft wurde 1994 als Direktbank-Tochter der Commerzbank gegründet und hat sich von einem reinen Onlinebroker zu einer Vollbank mit einem vollständigen Leistungsportfolio für Privatkunden entwickelt. Dabei ist die Gesellschaft in den Geschäftsbereichen B2C und B2B tätig. Zu der Produktpalette der comdirect gehören der Wertpapierhandel über das Internet sowie der Handel mit Investmentfonds und Anleihen. Hinzu kommen der außerbörsliche Handel, Wertpapierkredite, steueroptimierte Kapitalanlagen und Baufinanzierungen. Die zweite Hälfte des Portfolios besteht aus Bankdienstleistungen wie Tagesgeld- und Laufzeitkonten, Girokonten und Kreditkartenservices.

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Quelle: comdirect.de

 

4M-Analyse:

Im Rahmen des 4M-Selektionsverfahrens stelle ich meine Investmentidee auch bei der comdirect-Aktie anhand folgender Kriterien regelmäßig in Frage:

Megatrend:  Genießt die Branche des zu bewertenden Unternehmens den Rückenwind eines sogenannten „Megatrends“?

comdirect ist einer der ersten Player im deutschen Direktbankenmarkt, welcher in Deutschland (sowie in ganz Europa) seit 15 Jahren ununterbrochen wächst. Die Anzahl der Direktbank-Kunden in Deutschland hat sich von 3,9 Mio. in 2000 auf beachtliche 18,2 Mio. in 2015 gewachsen (s. hier auf statista.com). Ein Ende dieser Wachstumsdynamik ist nicht in Sicht, da die klassischen Filialbanken aufgrund der aktuellen, für Einlagengeschäft sehr ungünstigen Zinsstruktur ihre Kosten zu Lasten der Anleger anpassen müssen. Immer mehr Banken informieren ihre Privatkunden über Einführung von Kontoführungsgebühren (s. hier auf handelsblatt.com), und das sollte kurz- bis mittelfristig einen Run auf die  Direktbanken auslösen, die sich die kostenlose Kontoführung „noch leisten können“. Direktbanken spüren nämlich im Nullzinsumfeld auch einen Margendruck. Dieser ist allerdings aufgrund ihrer nachfolgend unter „Marktmacht“ erläuterten Wettbewerbs- und Kostenvorteile nicht so dramatisch wie bei Filialbanken und kann durch entsprechende Depotüberträge kompensiert werden.

Ich halte den Wachstumstrend der Direktbanken aus dieser Perspektive für intakt.

Management: Besteht das Management aus vertrauenswürdigen Personen, die im Sinne des Unternehmens handeln?

Geführt wird comdirect von einem vierköpfigen Vorstandsteam mit Arno Walter (CEO), Dietmar von Blücher (CFO), Dr. Sven Deglow (CMO) und Martina Palte (COO). Vorstandsvorsitzender Arno Walter ist erst seit März 2015 in seiner neuen Funktion tätig und konnte bislang einen zuverlässigen Eindruck hinterlassen. Auch die Art und Weise, wie er mit der jüngsten Datenpanne vom Mitte Juli umgegangen ist, spricht für Herrn Walter. Er ist seit knapp 14 Jahren für die Commerzbank-Gruppe tätig und kennt sich mit den Wachstumsaussichten der Direktbanken aus. Ich werde diesen Punkt weiter verfolgen, mein erster Eindruck ist positiv.

Marktmacht: Gibt es Faktoren, die dem zu bewertende Unternehmen besondere Wettbewerbsvorteile ermöglichen?

Das Direktbankgeschäft in Deutschland wird von wenigen Banken/Online-Banken dominiert. Marktführer ist mit Abstand die ING-DiBa, gefolgt von der DKB, comdirect, Consorsbank und drei weiteren „Autobanken“, die sich allerdings vom Geschäftsmodell sowie von Ihrer Daseinsberechtigung her kaum mit den Top4-Direktbanken vergleichen lassen.

Im Direktbankgeschäft kann man sich an sich durch zwei wesentliche Kriterien auszeichnen: Technik/Innovation und Service. Im B2C Bereich wird comdirect als sehr guter Serviceanbieter wahrgenommen. Kompetente Ansprechpartner der comdirect stehen den rund 2 Mio. B2C-Kunden 7 Tage 24 Stunden zur Verfügung. Aufgrund der Tatsache, dass comdirect (wie andere Direktbanken auch) ohne Filialnetz unterwegs ist, kann dieser Service sogar zu einem Bruchteil der Kosten einer klassischen Bank angeboten werden. In Sachen Technik wird Comdirect als sehr innovatives Haus wahrgenommen; Projekte wie PhotoTAN, VideoIdent, vollständig digitale Kontoeröffnung etc. hat Comdirect zum größten Teil früher in ihre Systeme integriert als viele anderen Mitbewerber. Im Bereich der IT-Sicherheit hat Comdirect mit der oben erwähnten Datenpanne – auch wenn sie nur wenige Stunden dauerte – mit Sicherheit einen herben Imageverlust hinnehmen müssen. Doch zum einen werden solche Vorfälle, angenommen dass keine vorsätzliche Täuschung im Spiel war, meist schnell vergessen. Zum anderen ist es mir am Tag der Datenpanne aufgefallen, dass die Börse auf diese sehr überraschende Negativmeldung kaum (bzw. gar nicht) reagiert hat. Im Falle eines Skandals mit langfristigen Imageschäden als Folge reagiert die Börse meist mit sehr starken Kurseinbrüchen.

Ein letzter Punkt, der aus meiner Sicht im Direktvergleich unter Online-Banken für comdirect spricht, ist die kostenlose Einzahlungsmöglichkeit in rund 1.200 Filialen der Commerzbank AG. Zum Vergleich: ING Diba bietet gebührenfreie Einzahlung über eine Kooperation mit der Reisebank an, allerdings mit einem deutlich geringeren Filialenanzahl. Consorsbank-Kunden müssen bei einer Einzahlung auf das Konto mit Gebühren rechnen.

Marktwert: Wie steht der aktuelle Marktwert des Unternehmens mit dem „fairen Wert“ in Relation?

comdirect wird aktuell am Kapitalmarkt mit 1,30 Mrd. € bewertet. Bei einem betreuten Kundenvermögen (comdirect/B2C und ebase/B2B zusammen) von über 69 Mrd. Euro mit einem Depotvolumen-Anteil von 60,3% ist der Marktwert aus meiner Sicht „fair“, solange die Rahmenbedingungen wie Zinsniveau, Börsenstand etc. und damit der Margendruck auf der Zins- und Provisionsseite, konstant bleiben. Der Marktwert würde sich als günstig erweisen, wenn die Nachrichtenlage sich positiv ändert. Ich bin zuversichtlich, dass comdirect von der aktuellen Situation so oder so profitieren, da im Falle eines Niedrigzinsumfelds mehr Neukunden (und damit Depotkunden) zu Direktbanken wechseln würden und andersrum (Zinserhöhung) der Zinsüberschuss besser ausfällt.

Fazit der 4M-Analyse vom August 2016:

Bei der comdirect-Aktie handelt es sich um ein Unternehmen, das in dem Wachstumssegment „Direktbanken“ sehr gut positioniert ist. Als drittgrößte Direktbank Deutschlands verfügt die comdirect Bank über diverse Kostenvorteile. Das Direktbankengeschäft ist trotz seiner hohen Wettbewerbsintensität ein skalierbares Modell, so dass Volumen eine immens wichtige Rolle hat. Aktuell steht das Geschäft der Comdirect AG aufgrund der ungünstigen Zins- und Börsensituation unter Druck. Auf der anderen Seite spricht das aktuelle Umfeld sowie Einführung von Negativzinsen für jede Menge Neukunden-Potenzial zu Lasten der klassischen Banken. Das Management macht, wie es bei hanseatischen Kaufleuten üblich ist, einen ehrlichen und kompetenten Eindruck. Die sehr unglückliche Datenpanne vom Juli 2016 wurde vom ersten Tag an sehr transparent kommuniziert, obwohl diese Aktion kurzfristig negativ auf die Neukunden-Zahlen auswirken dürfte. Alles in Allem halte ich das Chance-Risiko-Verhältnis bei der Comdirect Aktie für gut und werde zunächst an der hohen Gewichtung dieser Portfolioposition nichts ändern.


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